Die erste Woche [basisdemokratische Autorenschaft]

Seid mal LEISE!!! ICH will was sagen!!! (Sohn2)

Das war eine ganz schön lange Autofahrt. Viel Zeit, um mal gründlich auszuschlafen. Überall, wo wir aussteigen durften (viel zu selten!), sah es wieder anders aus, Gut, dass Papa und Mama und mein Bruder immer dabei sind. Aber unser Haus hier ist schön. Im Garten können Papa und S. und ich Fußball spielen. Zum neuen Kindergarten fahren wir gaaaanz lange, über die Autobahn. Und viele Autos fahren dann an meinem Fenster vorbei. Im Kindergarten gibt es eine Bücherecke, da bin ich gern. Und Nicholas hat uns gerade die Uhr erklärt.

Ich spreche mit ganz vielen Worten, die auch Mama und Papa überraschen aber Irgendwie verstehen mich die anderen Leute hier nicht so richtig. Obwohl ich doch gar kein Deutsch mit ihnen spreche, sondern mein Kauderwelsch, und zwar ziemlich laut! Hört sich fast so an wie Französisch, finde ich. Wenn ich mich zu sehr über etwas ärgere, rufe ich einfach laut „JETZT MACHE NICHT MEHR MIT!“ und gehe weg. Das verstehen dann auch die Franzosen! Ich war schon viel im neuen Kindergarten, einmal sogar alleine, weil der S. Fieber hatte. Das war ganz schön anstrengend! Gut, dass der Bruder sonst dabei ist

Oh Mann! Unfair! Ich bin dran! (Sohn1)

Das war eine ganz schön lange Autofahrt. Viel Zeit, mal gründlich zu spielen und CDs zu hören. Und rauszugucken. Dauernd sah alle anders aus, als zuhause. Hier gibt es einen Garten, das ist schön, und Töpfe, die gewässert werden müssen. Das ist meine Arbeit. Ganz viel ist hier anders. Die Bäume zum Beispiel. Die Autos sind kleiner, die Menschen reden sehr viel. Und wenn ich französisch spreche, bekomme ich ein Schokoladenosterei im kleinen Supermarkt.

Papa sagt neuerdings, ich bin ein Halbstarker, dabei bin ich doch sehr, sehr stark? Das wird der freche Junge im neuen Kindergarten auch noch merken. Dort ist vieles ganz anders als zuhause, ich habe gar nicht so viel Zeit, aber der Erzieher ist cool. Obwohl der lange Haare hat.  Die kann mein Bruder dann ja später auch mal haben, ICH werde so eine Frisur haben wie Papa!

So, jetzt mal Ruhe. Aus die Maus! (Der Mann)

Das war eine ziemlich lange Fahrt- Aber es gab ja kein Problem. Allgemein:  man nimmt sich ja immer mit, egal wohin man geht. Dass es keine Mülltonne in der Wohnung gibt (Plastiktüte am Herd reicht doch auch) und der Herd sich nicht in Gang setzen lässt, nervt die Frau sehr und wird geändert. Der zweite Türschlüssel passt nicht, zum vereinbarten Behebungstermin erscheint der Sohn der Vermieterin nicht, die Bürgersteige sind teilweise nicht existent oder nur handtuchgroß (Neben einer rasant befahrenen Hauptverkehrsstraße, langsam lerne ich den Vorteil der deutschen Normen kennen) und dank dünner Wände haben wir in den ersten Nächten immer mal Einbrecher vermutet, weil sich der Klang der Schiebenfenster und Schritte der Nachbarn doch sehr nah anhören. Als Wecker fungierte zunächst die Dusche der Nachbarn oder die Bewässerungsanlage im Garten, die alle zwei Tage früh loslegt.

Bisher vergeht viel Zeit mit Wegesuchen, Sachensuchen, organisatorischem. Und es ist viel Zeit für die Kinder, die erst mal ziemlich wild waren ob der neuen Umgebung. Wäre schon schön, wenn wir bald eine guten Spielplatz zum austoben fänden. Bald sind wir aber gewiss erholt genug, um mal richtig wandern zu gehen und Sport zu treiben.

Bewundernswert ist, dass die Franzosen – egal wie sich die Jungs verhalten (laut, auch mal leicht aggressiv etc.) – bislang immer (!) freundlich geblieben sind: Kein Wunder, dass dieses Land eine so viel höhere Geburtenrate als Deutschland hat. Auch wenn in der Zeitung zu lesen war, dass 42% der Grundschulkinder ihre Eltern bei Rückkehr aus der Ganztagsschule nicht zuhause vorfinden (la Marseillaise, 03.04.12, 2). S. kommt gerade in das „Rackeralter“ (Über fünf Jahre: Kämpfen, frech sein, nicht gehorchen etc.) und findet sich in einer Phase wieder, in der sein – leicht genervt-überraschter – Vater mehr Ruhe und Zeit als sonst hat. Gut, dass es immer wieder mal Phasen gibt, in denen die Kinder sich in der Fremde einfach nur „ankuscheln“ wollen und lieb miteinander spielen.

 

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