Luxusprobleme: Auswärts essen

Neulich waren wir mit den Kindern in der Stadt unterwegs. Wegen aufkommenden Hungers wollten wir rasch etwas essen gehen. Eigentlich ganz einfach, in Deutschland meistens kein Problem. Während unseres Frankreich-Selbstversuchs sieht das schon schwieriger aus, sofern wir nicht einen Schnellimbiss aufsuchen mögen. Zum Beispiel neulich:

Die Restaurantwahl orientierte sich, wie üblich, eng an den Vorlieben der Kinder: Wichtig ist immer, dass die Speisekarte Crèpe enthält, denn die in Deutschland üblichen Fischstäbchen-Chicken-Nugget-Wiener-Schnitzel-Nudel-Kinderteller gibt es hier nicht. Kinder können aus der normalen Karte, oder aber ein Kindermenü wählen, das dann gern Dinge wie Thunfischcreme, grünen Salat, dicke Bohnen oder andere Dinge, die unsere Kinder unter keinen Umständen essen, enthält. Nach gezielter Beobachtung glaube ich übrigens, dass auch französische Kinder diese Speisen überwiegend nicht mögen und auch nicht essen – aber sie bekommen sie dennoch vorgesetzt. Geht auch nicht anders, Abwandlungswünsche des Menüs (z.B. Austausch der Gemüsesorte) oder gar Eigen-Kreationen (Nudeln, aber nur mit Käse, ohne Sauce) wurden bisher in 100 Prozent der Fälle abschlägig beschieden. Das Menü ist das Menü. Das Gericht ist das Gericht. Da hat der Koch sich etwas bei gedacht. Oder er hat einfach keine Lust auf Extras

Wir betraten also das Restaurant und wurden gesetzt, und zwar leider nicht unbedingt in die hinterste Ecke, in die wir uns – der Kinder wegen – verkrümeln wollten, sondern mitten hinein. Der Kellner verschwand,  ohne aus die von S. einwandfrei vorgebrachte Bestellung von Crèpe au sucre zu reagieren. Nach geraumer Zeit wurde der Tisch von einer jungen Dame eingedeckt (eindecken ist hier ein Extra-Job, abräumen ebenso). Sie lächelte immerhin, als S. erneut seine Bestellung aufgeben wollte. Der Kollege würde gleich die Karte bringen, sagte sie. Der Kollege ließ sich Zeit. Viel Zeit, selbst für hiesige Verhältnisse. Die Kinder wurden unruhig, ein erstes (leeres) Glas fiel um, Besteck ging zu Boden, der Mann ging beherzt an die Bar, fragte nach der Karte, die dann von der Chefin persönlich gebracht wurde. In ihrem Kielwasser: „Unser“ Kellner, der ihr direkt neben unserem Tisch erklärte, keinesfalls hätten wir lange warten müssen, wir seien eben ungeduldig. Ah ja.

Wir hofften immer noch auf baldiges Essen und Getränk für unseren Nachwuchs, taten so, als hätten wir die Beleidigung nicht mitbekommen, suchten Gerichte aus, durften nach weiteren 10 Minuten bei einem weiteren Kellner bestellen – der uns dann belehrte: Die mit einer Extra-Tafel am Eingang beworbenen Crèpes gebe es aber noch nicht, erst ab 16 Uhr. Das kam bei den Jungs nicht gut an, Frust, Hunger und Durst verwandelten sich in Dezibel, mit erheblichem Geräuschpegel und unter dem wärmenden Mitgefühl anderer Gäste („Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe auch Kinder, ich kenne das“) verließen wir das Lokal.

Im Hinausgehen warfen wir versehentlich die große Tafel um, die uns in das Restaurant gelockt hatte: Die Crèpe-Karte. Acht Variationen, keine Uhrzeit.

(In französischen Restaurants wird der sehr lesenswerte Ratgeber von Herrn Buddenbohm http://www.herzdamengeschichten.de/2012/04/16/kleiner-ratgeber-fur-deutsche-kellnerinnen-und-kellner-zum-umgang-mit-familien-in-restaurants/ meiner Beobachtung nach strengstens befolgt  – in unserer Heimatstadt in Deutschland ist die Gastronomie dafür eher kinderfreundlich, und wir sind daher wohl etwas naiv bei diesem Thema……)

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