Einkaufen gehen

Alltagsdinge, die von uns in Deutschland seit langem schnell und effizient erledigt werden, kosten hier manchmal viel Zeit und Kraft. Wir haben ein kleines Einkaufszentrum in der Nähe, mit einem selbst backenden Bäcker (Die Backstube ist offen, der Besuch ein Erlebnis), einer Post, dem Friseur für die Kinder, einer Apotheke, einem Waschsalon samt Reinigung/Bügelservice, einem Tabac und einem kleinen Supermarkt.

Schon lange haben wir also „unseren“ Supermarkt gefunden, und auch die Suche nach dem richtigen Produkt dauert dort nicht mehr gar so lange. Anfangs haben wir z.B. sehr lange nach der richtigen Milch (Bio, halbfett, idealerweise nicht haltbar gemacht bis St Nimmerlein) gesucht, oder die Etiketten der „Natur“-Joghurts studiert, in denen hierzulande offenbar nicht nur Zucker, sondern auch Milchpulver enthalten sein darf. Und vor der Fürchterlichkeit vieler französischer Vanille-Joghurts (ein Hauptnahrungsmittel von S.) kann gar nicht ausreichend gewarnt werden. Auch bei Obst muss man genau hinschauen, wenn man regionalen Produkten den Vorzug geben will – davon gibt es ja gerade wahrlich genug.

„Unser“ Supermarkt ist leider wirklich SEHR klein. Darum lässt sich von Zeit zu Zeit der Ausflug in einen größeres Geschäft nicht vermeiden.

Das größte dieser großen Geschäfte, der Carrefour Planet, bietet auf einer riesigen Ebene alles, vom Kühlschrank über Gartengeräte und Klamotten bis zu Lebensmitteln in Riesen-Auswahl. Wenn wir also beispielsweise eine Crèpe-Pfanne, Badelatschen, eine Luftpumpe und diverse Lebensmittel gleichzeitig benötigen, fahren wir reflexartig dorthin, und bereuen es meist schon bei der Parkplatz-Suche.

Es ist dort grundsätzlich zu voll, besonders im Lebensmittel-Bereich verliere ich in aller Regel angesichts des Über-Angebots schnell die Lust, überhaupt etwas zu wählen, und kaufe nur das notwendigste.

Am wichtigsten ist aber die Wahl der richtigen Kasse, da gibt es nämlich verschiedene Kategorien: Für die Nutzer von Scannern. Für Ältere und Schwangere. Für Treukarten-Inhaber. Für Leute mit weniger als 10 Produkten Für Scheck- und EC-Zahler. Bei schätzungsweise 20 Kassen bleiben genau zwei geöffnet für die Leute, die einfach ihren Warenberg aufs Band stapeln und bar bezahlen wollen, und dort sind die Schlangen am längsten.

An diesem einen Tag letzte Woche steuerte ich auf die Kassen zu, sondierte von weitem die richtige Kategorie, und stellte mich an der vielversprechendsten Schlage an. Ein Kunde bezahlte hier gerade, ein älteres Ehepaar schickte sich an, Waren aufs Band zu laden. Dachte ich. Tatsächlich zahlte der erstgenannte Kunde mit Scheck. Das war hier eigentlich nicht vorgesehen, wurde aber nach einem kurzen Wortwechsel möglich gemacht durch eine herbeigerufene Kollegin der Kassiererin. Das Paar vor mir verfolgte gespannt dies Geschehen.

Als der Kunde vor ihnen die Kassenzone verließ, begann der Mann vor mit mit dem Beladen des Bandes. Die Frau beugte sich ebenfalls über ihren Einkaufsagen, holte eine fertig mit Obst belegte Torte hervor, und eröffnete das Gespräch mit der Kassiererin. Ob sie wisse, das der Laden SO schöne Torten im Angebot habe. Ja das wusste sie. Aber ob die Kunden denn auch die Erdbeer-Torte gesehen habe? Die mit den Erdbeeren am Rand? Und so weiter. Der Mann stapelte also die Einkäufe, die Frau half nicht mit und die Kassiererin war durch das Gespräch zu beschäftigt zum Kassieren. Irgendwann hatte sie ein Einsehen, die Plauderei wurde aber erst mit dem ansagen des zu zahlenden Betrags unterbrochen. Der Paar verräumte nun immerhin gemeinsam die Waren, denn man kann hierzulande erst zahlen, wenn alles eingepackt ist. Beim Zahlvorgang gab es wieder viele begleitende Worte auf beiden Seiten – deutlich mehr, als in Deutschland je benutzt würden, es sei denn, Kassiererin und Kundschaft sind eng befreundet.

Den ganzen Charme des kleineren Einzelhandels, den persönlichen Kontakt, rettet man hier augenscheinlich in die Super-Supermärkte hinüber. Bei Lidl sind die Verkäuferinnen hingegen ähnlich Effizienz-ausgerichtet, wie in Deutschland. Während die Kunden die im Eiltempo gescannten Waren gemächlich einpacken, dann nach dem Zahlungsmittel kramen, ggf. einen Scheck ausstellen, kann die Kassiererin in Ruhe ihren sozialen Verpflichtungen am Telefon nachgehen. Immerhin: Kommunikation!

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2 Kommentare

  1. Ilse

    Das ist doch wenigstens eine wichtige Erfahrung: Zuhause ist alles besser
    die O I

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